Den Douro hinunter – oder doch etwa hinauf?

Anreise

Gut gelaunt und voll bepackt ging es für uns für einen Tag von Esposende nach Porto, beziehungsweise in die Nachbarstadt auf der anderen Flussseite: Vila Nova de Gaia. Auf Anhieb und ohne tüchtiges Navi fanden wir gleich in Flussnähe ein Parkhaus. Danach ging es aber nicht reibungslos weiter wie erhofft: Da der Bahnhof in Porto gefühlte 300 Höhenmeter über dem Douro lag und wir gelesen haben, es wäre kein Problem ein Schiff aufwärts zunehmen, machten wir uns etwas naiv auf die Suche nach einem Wassertaxi. Leider mussten wir eher spät als früh feststellen, dass es Rundfahrtenboote gibt, die einem eine Stunde umherkutschieren und die umliegenden 6 Brücken zeigen, dabei aber nicht anhalten und es grosse Schiffe gibt, welche anhalten – einmal nach einem und das zweite Mal am darauffolgenden Tag. Wir entschieden uns also für ein herkömmliches Taxi, nachdem wir auf dem Handy einen geeigneten Ort zum Einwassern fanden, und so auch ohne Portugiesisch unser Ziel beschreiben konnten. Wir bezahlten Euro 24.50 für die ganze Fahrt – nur wenig mehr als uns die kurze Touri-Tour mit dem nicht anhaltenden Boot gekostet hätte.

Tour

Gestartet sind wir dann von Crestuma aus, von einem kleinen Strand unterhalb des Lever-Staudammes. Sogleich hatten wir nicht nur Gegenwind, sondern auch Gegenströmung. Da man mit dem Taxi die Strecke ganz gut vom Board oberhalb verfolgen konnte, wäre ich gleich wieder raus, wär das Taxi nur noch in Reichweite gewesen! Da die vergebliche Bootssuche einiges an Zeit beanspruchte, dachte ich nicht an ein Eintreffen in Porto bei Tag. Nach 2.2 km und bereits 50 vergangenen Minuten des Kämpfens gegen den Wind, die Strömung und meine Psyche machten wir die erste Pause.

Zwischendurch legte sich der Wind etwas und auch ich konnte die Tour langsam geniessen: denn die Umgebung war wundervoll! Weite Strecken sind naturbelassener Wald entlang des Ufers, ab und an ein kleiner Strand oder Fischersteg. Nur sehr selten stand oberhalb eine neue Villa oder eine zerfallene Ruine zum Verkauf. Es wurde schon fast Schlaraffenland ähnlich, denn nicht selten ragte ein Feigenbaum oder eine wilde Rebe geragelt voll mit Früchten in den Fluss hinein. Glaubt ihr nicht, zu kitschig? – War aber so. Nur mit dem Hacken, dass die Früchte noch nicht reif sind im frühen Sommer. Was wir uns jedoch angeln konnten waren eine handvoll reifer Brombeeren. Nicht gesehen haben wir die vielgepriesenen wunderschönen Weinberge. Für diese müsste man weiter landeinwärts. (Vermutlich die 2-tägige Schiffsfahrt, von der übrigens der Kurs auf dem Douro schön ausgesteckt ist, es besteht also bis fast nach Porto keine Kollisionsgefahr.)

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Die inzwischen ruhigere Fahrt entschädigte für die Mühen davor und trotzdem waren wir beide erleichtert, als wir die erste Brücke vor Porto sahen. Der Endspurt wurde dann nochmals sehr streng, wenn nicht sogar abenteuerlich: vor uns drei Touri-Boote, die zum Wenden kamen, von hinten verfolgt von einem grösseren Dampfer.  Zwischen den Brücken und in der Nähe der Brückenpfeiler wollten wir ausweichen und sind fast in den Angelschnüren gelandet, die von den Strassen wie Spinnweben runterhingen. Dabei paddelten wir gegen die Wellen an, damit wir nicht in den Felsen landeten. Dies nur, um sich nach dem grössten Spuk wieder einmal zu fragen, ob der Douro nicht doch etwa in die andere Richtung fliesse. Das Meer drückt bei Flut und geschlossenem Staudamm wohl mehr Wasser in den Fluss, als der Fluss vermag ausfliessen zu lassen. Mit den restlichen Kräften und unter der letzten Brücke hindurch erreichten wir unser Ziel vor der grandiosen Kulisse Portos. Nicht erst bei Nacht, sogar früher als von Dani geschätzt – dafür nach 2 km mehr als erwartet, erreichten wir Gaia wieder. So landeten wir nach ein bisschen mehr als 14 km und inklusive kleiner Pausen und Fotohalts in nur ca 4 h Fahrzeit. Zugegeben: mit ein wenig Angst im Nacken fährt es sich schneller 😉

Fazit

Trotz dem strengen Start und dem noch strengeren Zieleinlauf lohnt sich die Tour. Ebenfalls würde ich wieder ein Taxi nehmen – einfach schon zu Beginn. Und am Ende würde ich mich wieder mit einem Porto tonico belohnen. Und wenn ihr nun denkt: was, die hat Gas gegeben und schreibt auch noch von ’nur‘ 4h Fahrt?! Dann geht dieses Abenteuer am besten selber an!

Ps. Dani war mit dem vollbepackten 10″0 und ich mit meinem super wendigen 9″6er von red paddle unterwegs.

Strecke und Bilder

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